Österreichische Meisterschaft 2002
26.-27.1.2002
Zur
Vorbereitung :
Im großen und ganzen war meine Vorbereitung nicht wirklich aufwendig...
Ich hab mich mehr oder weniger nur darauf konzentriert wieder ein Gefühl in
der Hand zu bekommen und den Unterarm zu kräftigen, damit ich ein bisschen
flexibler werde als ich es bis vor 1 Woche noch war. Die Trainingszeit war
mehr oder weniger genügend. Es war ja nicht so, als ob ich jetzt wirklich ein
halbes Jahr keinen Ball mehr in der Hand gehabt hätte. Somit hatte ich doch
„etwas“ Training. Montag 7 Spiele im Prater, Mittwoch zwischen 15 und 20
Spiele in der Plus sowie Freitag noch mal 7 in der Post Halle. Die Ideale
Vorbereitung war das sicher nicht, nicht nur von der Anzahl der Spiele her,
aber doch eine Hilfe. Der Prater war am Montag noch recht schwer zu spielen
für mich. Angefangen habe mit der "Red Wolf" und dann alle Bälle
durch. Endlich bekam ich von jemandem einen Tipp und hab dann gesehen, wo
genau mit meinem „extremen Spiel" eine Linie wäre : 35ste Latte
zwischen 3 und 4 durch auf 1-2 Latte. 3 Latte und der war am „Schädl“.
In der Plus Halle hatte für mich nur Priorität die Hand noch etwas mehr
unter Kontrolle zu bringen. Posthalle war wie am Sonntag - mehr oder weniger
unverändert nur etwas öliger.
Der
Samstag:
Schon in der Früh gingen mir tausend Sachen durch den Kopf, die man
nicht weiter zu erwähnen braucht, da der Gedankengang mehr oder weniger bis
zum Zeitpunkt des Starts eine 180 Grad Kurve machte. Ich ging mit gemischten
Gefühlen auf die Bahn. Die ÖM hatte für mich in „jüngeren Jahren“ die
höchste Priorität, was diesmal nicht mehr so war. Doch habe ich mich
bemüht, die Sache einigermaßen unter Kontrolle zu bekommen, was mir
schlussendlich an diesem Tag nicht sehr gut gelungen ist. Nachdem ich gesehen
hab, dass Robert der „Herrscher“ über uns war und auch die Ergebnisse der
anderen überflogen habe und selbst auch keine guten Chancen mehr auf High
Scores hatte, blieb mir nur noch eines - was schon von der 3 Partie an mein
Ziel war: Den Abstand aufs Step bzw. die ersten 3 nicht zu groß halten. Das
ging relativ gut.
Was ich wiederum nicht verstehe ist,
dass bei manchem Jugendspieler einfach nichts wirklich ging.
Mangelhafte Kenntnisse? Schlechte Vorbereitung? Nervosität? Das kann es nicht
wirklich sein. Die heutige Jugend versteht doch EINIGES von Bowling. Ob das
Spiel oder die Umsetzung dann auch so gut ist oder nicht, steht hier nicht zur
Debatte. Und ich denke das haben an diesem Tag doch einige von uns zu spüren
bekommen. Ich hätte auch heulen können aber nicht weil ich mich aus der
Situation nicht hinausgesehen hätte, sondern weil ich doch auch einen
höheren Schnitt als 176 erwartet hatte. War ich doch von früheren Wiener und
Österreichischen Meisterschaften verwöhnt : 207 bei der Wr. MS 2001 bzw. 202
bei der ÖM 2001 - wo ich mehr oder weniger der dominierende Spieler aus der
ganzen Halle war - ähnlich wie diesmal Robert ! Da wurde mir die Sache doch
schon etwas peinlich. Der Tag war mit Sicherheit nicht der schlechteste, aber
auch nicht der beste. Am Ende dieses Tages befand ich mich am 4.
Platz.........................
Sonntag
:
Diesen Morgen setzte der "Gedankenverkehr"
noch mehr ein als am Vortag. Das begann schon einmal damit, dass ich das
Ergebnis vom Vortag nicht mehr wusste. Als wir gegen 8.50 Uhr in die
Bowlinghalle gekommen, wartete ich nur noch aufs Ergebnis. Als diese dann
endlich ausgehängt wurde, habe ich gesehen, dass der Drittplatzierte
„nur“ 177 Schnitt hatte und damit nicht wesentlich mehr als ich und
zwar 1 Schnitt Pin. Vom Gefühl her wusste ich : wenn ich mich heute wirklich
„reinhänge“ - auch wenn’s schlecht laufen würde - müsste ich es ins
Step schaffen, wenn nicht jemand zu „Prügeln“ anfängt. Die Stunde der
Wahrheit hat geschlagen. Die Bahnen wurden eingeschaltet. Ab nun begann eine
Zeit mit leichter Nervosität und etwas Druck, der sich nach einiger Zeit
wieder legte. Während des Spielens fällt es einem nicht so direkt auf, wenn
man den Ergebniszettel nicht vor Augen hat und nicht andauernd aufs Score
Board hinaufschaut. Klar manchmal doch - aber meistens verirrten sich meine
Blicke nur auf die blinkenden Pfeile, um Fehlwürfe auf der falschen Bahn zu
vermeiden. Man ärgert sich logischerweise über jeden nicht geräumten Spare
oder Split. Als ich dann das erstemal nach 4 Spielen auf den Zettel schaute,
hab ich gesehen, dass die Sache doch nicht so schlecht war: 190,222,215,232
Die Ergebnisse der Anderen ließen mich kalt. Mein Ziel war es einfach nur ins
Step zu kommen, was mir dann auch gelungen ist. Auf den 1 Platz wäre es sich
so oder so nicht ausgegangen und selbst wenn, hätte ich Robert zu 99,9% dann
sowieso im Step um den 1 Platz auf der Bahn gehabt. Gut, 6 Spiele sind vorbei
mit 212,5 Schnitt (1275), 3. Platz, Step -> JAAAAAAAAA!
Kurze
Pause:
In der Pause bis zum Step Finale war ich noch die Ruhe in Person. Die
Vorbereitung aufs Step im mentalen Bereich war bei mir mehr oder weniger wie
eine „Checklist“ aufgebaut, die ich nach der Reihe immer wieder durchging.
Was machen wenn....? Nicht zu oft aufs Score Board schauen. Zeit lassen
usw.......
Als die Turnierleitung dann zum Counter ging begann die Unruhe.
Stepladder
Finale:
Die Bahnenzuweisung war erfolgt. Wir standen nun auf der Bahn. Oralek
gegen Litzka um den 2. Platz. Man sollte sich zwar nicht überschätzen, doch
war ich mir gegen Dodo doch etwas siegessicher . Warum genau kann ich nicht
sagen. Dodo war Spare sicher, hatte auch gute Anwürfe aber der 10er Pin war
natürlich auch im Spiel. Doch war irgendetwas was mir sagte, dass ich dieses
1 Spiel zu 90% gewinnen würde. Der Druck, war aber notwendig, um nicht
nachzulassen. Ich hab mich auf meine „alte“ Linie aus den Quali Spielen
von vorher verlassen. Was auch nicht wirklich schlecht war - zumindest am
Anfang. Jeder von uns beiden hatte Chancen auf den Sieg. Das 1 Spiel war
sicherlich bis zum Ende sehr spannend. Irgendwann zwischen 7 und 9 Frame stand
es dann fast fest, dass ich als Sieger aus diesem Spiel gehen würde. Zu
dieser Zeit verschwendete ich noch keinen Gedanken daran, wie das nächste
Spiel verlaufen würde.
Nun stand ich auf der Bahn gegen Robert May. Wir beide und auch Dodo
wissen, dass jeder von uns Jeden besiegen kann. Mit dieser Einstellung ging
ich dann auch ins Spiel. Zum Spielbeginn konnte jeder vorerst sich noch auf
die Bahnen einstellen und sich langsam herantasten. So ab dem 3. Frame war es
dann doch Zeit, den Bleifuß aufs Gas zu setzen. Eine Zeit lang war ich mir
sicher, dass aus dieser Partie ein gewisser Vorsprung entstehen könnte. Dem
war am Ende doch nicht so. 29 Pin Rückstand. Normal in der Quali würde das
nichts ausmachen wenn ich 60 Pin Rückstand hätte. Das wären 10 Pin pro
Spiel aufzuholen. Doch die Tatsache, dass diese 30 Pin nur in dem einen Spiel
zurückzuholen sind und zum Sieg führen, war doch etwas hart zu akzeptieren
und zu verarbeiten. Ich hatte nicht wirklich eine optimale Linie. Manchmal
rutschte mir der Ball sogar durch, weil ich mit der Hand zu viel
Seitenrotation gegeben habe. Dann einige male zu früh auf die Kante und
dadurch zu hohe Gasseneingänge. Doch beide Spiele waren von Anfang an
ausgeglichen. Wenige, fast gar keine Spare fehler, doch die Splits machten uns
auch zu schaffen. Im 2. Spiel war die Sache dann schon sehr eng für mich.
Dieses eine Spiel entscheidet über Sieg oder Niederlage. Das setzt sich im
Unterbewusstsein fest. Auch wenn man versucht lockerer zu werden - geht es
nicht so ganz. Als sich die Sache dann doch noch zuspitzte, musste ich eine
Entscheidung, treffen die möglicherweise über Sieg oder Niederlage
entschied. Was tun? 29 Pin Rückstand und die Strikes fehlen. Gasseneingänge
sind nicht so gut. Wenig Zeit um gut zu überlegen. Ballwechsel? Umstellen?
Wenn ich jetzt den Ball gewechselt hätte, wäre ich das Risiko eingegangen,
einen Split zu haben oder 2-3 Frames her zu schenken was mich extrem viel
kosten würde. Umstellen weiter nach rechts wäre auch nicht sinnvoll. Wenn
ich wieder einen Ball stark verlegt hätte, würde der noch früher zu laufen
beginnen und dann einen Split stehen lassen. Ich bin dann doch dabei
geblieben, weiterhin dort zu bleiben und so zu spielen wie bisher. Das Spiel
war sehr ausgeglichen, da wir beide einen Split und auch Spare fehler hatten.
Fürs Publikum spannend bis zum Ende. Im 8. Frame hatte ich dann nur noch eine
Chance: Strike müssen her. Im 9. Frame war das 1 Strike gefallen. Im 10 auch
eines und dann der 10er. Ein Spare zuletzt und doch hatte es nicht gereicht.
Mir blieb ab dem 8. Frame so oder so nicht mehr viel über als „Abwarten“.
Es waren mit Sicherheit die 2
spannendsten Spiele dieser ÖM, und aber auch sicher 2 Spiele die zu den
Besten gehörten. Sehr sehr wenige Spare fehler. Es stand nun fest : Sieger
Robert May – BC Unistahl Wien, Zweiter
und somit Vizemeister : ORALEK Christoph - BSC Phönix Wien.
Zum
gesamten Bewerb:
Vom Gesamteindruck war diese ÖM wie auch jede andere.
Das Niveau der Jugend Österreichs hat sich doch um einiges gehoben,
wie man nicht nur in diesem Bewerb gesehen hat. Auch die Schulungen des
National Team Kaders durch einen FIQ geprüften Trainer wie Thomas TYBL, und
einige Grundlagen in Sportpsychologie haben uns allen doch viel geholfen.
Nobody’s perfect. Klar müssen wir noch weiterarbeiten Dazu haben wir die
Lehrgänge und andere Trainingsmöglichkeiten. Doch hat sich die
Österreichische Jugend gebessert. Der Nachwuchs ist auch fast schon gut
gedeckt.
Was ich allerdings als unnötig empfand war das Step Finale der Junioren.
4 Spieler treten an und dann spielen 3 noch einmal um den Titel? ->
Unnötig.
Zur
Umgebung:
Die Umgebung war nicht weiter besonders. Heimhallen wo fast alle immer
ÖSKB oder Hallenliga spielen. Das Publikum war auch das gleiche bis auf ein
paar neue Gesichter die ich nicht kannte. Was mich allerdings wirklich sehr
gewundert hat, war dass das Publikum während der Quali nicht wirklich was von
sich hören hat lassen. Egal an welchem Tag. Im Step Finale hat man bei den
Junioren am Ende einiges gehört. Bei mir und Robert war bis zum Ende
sprichwörtlich „Funkstille“. Das hat mir zwar nicht weiter zu denken
gegeben, doch war es etwas ungewöhnlich. 3 Strike... 4 Strike... ein paar
kleine Klatscher aber Applaus war da nicht drin. Mehr als dass man dem
Publikum ein spannendes Spiel liefert, kann man eben nicht machen -
aber na ja war halt so - kann man nichts machen.
Zu
den Bahnen:
Die Bahnen waren im großen und ganzen einfach zu bespielen. Wie so oft
passte die Umsetzung aber einfach nicht wirklich. Samstags waren die Bahnen
doch etwas öliger als sonst im Prater, aber trotzdem mit Sicherheit gut
bespielbar. Die Bahnen sind nicht wirklich zusammengebrochen, wobei sich doch
das Öl aufs Finish gezogen hat.
Die Bahnen in der Posthalle waren für mich so wie beim Training. Auch
etwas öliger, was vielleicht daran lag, dass ich in der Post keine
"Nuller - Bahn" mehr bekommen habe. Trotzdem auch die Post Bahnen
waren sicherlich relativ gut bespielbar. Wenn man den richtigen Eingang hatte,
konnte fast kein 10er stehen bleiben. Wobei ich noch Freitags in 7 Spielen ca.
24 10er Pins stehen hatte.
So das wäre es mal vorerst....
Mit sportlichen Grüßen
ORALEK Christoph